"Aus
dem Wissen kommt der Respekt"
Auszug aus dem Interview mit Jul Sanwidi, Musiker, Komponist und Künstler
aus Burkina Faso
Menschen,
die das nicht mehr wissen, haben zum einen wertvolle Kenntnisse verloren; und
zum anderen hat in den Augen dieser Menschen die Natur keinen Wert mehr. Das
ist auch ein Grund, warum viele Menschen den Bezug zur Natur verlieren. Nicht
alle Menschen wissen, mit welchem Reichtum die Natur für uns da ist.
Ich
erinnere mich daran, dass wir ungefähr um 1970 herum eine große Dürre hatten.
In der Folge haben viele Menschen gehungert. Es gab Menschen, die sich in dieser
Situation an alte Märchen erinnert haben, in denen erzählt wird, welche Pflanzen
aus der Natur essbar sind. Und nur die Menschen, die das wussten, konnten essbare
Wurzeln, Pilze und Früchte im Busch finden und überleben.
"Ein
Garten ist ein Ort, wo man auf natürliche Weise Zugang zur Vielfalt bekommt."
Auszug aus dem Interview mit Tassew Shimeles, Projektleiter Internationale
Gärten Göttingen
Die
Internationalen Gärten sind nicht nur Gärten, sondern auch ein soziales Projekt.
Hier haben wir die Vision umgesetzt, dass es möglich ist, Menschen mit sehr
unterschied- lichen Erwartungen zusammen zu bringen und daraus ein Gemein- schaftsnetz
zu knüpfen, das auf der gärtnerischen und sozialen Ebene existiert.
Die Internationalen Gärten haben vielen Menschen Schreiben und Lesen Lernen
ermöglicht, ebenso den Perspektivwechsel: das Land Deutschland und das eigene
Land mit anderen Augen zu sehen. Auch zu erkennen, dass es neben den eigenen
Problemen noch andere Nöte gibt. Ein Garten ist ein Ort, wo man auf natürliche
Weise Zugang zur Vielfalt bekommt. Aus den Gärten sollte die Vielfalt als gesellschaftlicher
Reichtum in die Nachbarschaft und in das Umfeld fließen.
Es
ist der ursprüngliche Sinn von privaten Gärten, zu lernen, wie intensiver Anbau
von Nutzpflanzen betrieben wird. Deshalb hat jeder Mensch meiner Meinung nach
einen Anspruch auf seinen Garten; es ist in gewisser Weise etwas wie ein Menschenrecht.